Rodeo 5000

Zwei Männer im Western-Stil mit Cowboyhüten und Sonnenbrillen posieren vor einer malerischen Kulisse. Ihre Outfits und Accessoires spiegeln das kreative Flair des Elbenwald Festivals wider, das Musik und Nerd-Kultur verbindet.
Rodeo 5000, Foto: Felina Schmeckenbecher

Es gibt Bücher, die sich mit dieser faszinierenden Frage beschäftigen: Was, wenn alles wahr wäre? Bei Twilight etwa fragt sich Bella das wortwörtlich, als sie herausfindet, dass es neben Vampiren auch noch Werwölfe gibt. Percy Jackson hingegen holt die gesamte griechische Mythologie in die Buchrealität und bettet sie ins moderne Amerika ein. Oder Die Flüsse von London von Ben Aaronovitch, wo … ach, du weißt, was gemeint ist.

Warum wir das erzählen? Weil die Musiker Jonas (Die Pressgëng) und Simon (Mr. Hurley & die Pulveraffen) anscheinend einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgten, als sie ihr neues Bandprojekt aus der Taufe hoben: Was, wenn alle Gerüchte, Stereotypen und schlechten Witze über Rednecks und Countrymusik wahr wären? Die Antwort darauf ist laut, staubig und hört auf den Namen Rodeo 5000!

Getränkemeditation und das Spiel mit Schubladen

Der Bandname ist dabei laut Simon das Resultat einer intensiven „Getränkemeditation“ auf dem Hamburger Kiez. Gut gewählt ist er trotzdem, denn so weißt du direkt, welche musikalischen Genre-Schubladen hier geöffnet und durchwühlt werden: Country, Folk, Bluegrass. Allerdings in der Party-Variante mit ziemlich überzeichneten Songtexten; da können Jonas und Simon wohl nicht aus ihrer Haut, schließlich sind ihre Hauptbands auch für ihren Humor und das Spiel mit Klischees bekannt.

Wenn also im Song Splitternackt im Pickup-Truck die Zeile fällt „Die Straße, sie ist lang und hart, so wär ich gerne auch“ erinnert das fast an Stefan Raabs Ukulele-Performances zu seinen besten Zeiten. Oder wenn beim Song Der Hammer eine beeindruckend lange wie kreative Aufzählung an Kindernamen (inklusive Mercedes und BMW) vom Stapel gelassen wird, kann man nur respektvoll den Cowboyhut ziehen oder lachend zusammenbrechen.

Hillbilly as fuck – aber mit Herz

Bei allen Späßen und dem selbstgewählten Prädikat „Hillbilly as fuck“ ist Rodeo 5000 kein Projekt, das den vielen Vorurteilen der Countrymusik und dem Redneck-Lebensstil weitere hinzufügen möchte. Im Gegenteil, viel eher will man solchen Witzen durch krasse Übertreibung den Wind aus den Segeln nehmen. Denn: Jonas und Simon sind tatsächlich selbst Countryfans! Jonas verriet im Interview mit Metal1: „In meiner Kindheit prägte mich die Skiffle-Musik meines Vaters. Wenn im Keller geprobt wurde, hörte ich im Kinderzimmer das Banjo und das Waschbrettgeschrammel.“

Letztlich ist es die Mischung aus selbstironischen Texten und Party-Hymnen bei gleichzeitiger Liebe für das Countrygenre, die den Reiz von Rodeo 5000 ausmachen. Egal ob am Ende alles wahr ist oder nicht: Pack deinen Cowboyhut ein und mach dich bereit für einen Abriss, bei dem die Grenze zwischen Klischee und Realität zu Staub zerfällt.

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