Johanna | 27.01.2026
Warum Bridgerton meine ultimative Comfort-Serie ist
Dearest Reader,
Während das Jahr 2026 draußen mit ohrenbetäubendem Lärm, politischem Geplänkel und einer Hast voranschreitet, bei der selbst die schnellste Kutsche Londons nicht mithalten könnte, kehrt meine ganz persönliche Comfort-Serie zurück. Das Netflix-Juwel Bridgerton ist wieder da! Klatsch, Drama, Liebe und eine Prise übertriebene Komik – doch was macht den Reiz dieses modernen Märchens eigentlich aus?
XOXO, Lady Whistledown!
Die erste Bridgerton-Staffel erschien im Dezember 2020, einem Jahr, das von Ungewissheit und Lockdowns geprägt war. Inmitten dieser ungewohnten Weltlage kam Netflix mit der schillernden, bunten Serie von Shonda Rhimes um die Ecke, die sich anfühlte wie Gossip Girl, verpackt in einen unfassbar bunten Jane-Austen-Roman. Für mich die perfekte Mischung.
Während Gossip Girl die Upper East Side mit anonymen SMS terrorisierte, nutzt Lady Whistledown die schärfste Waffe ihrer Zeit: das gedruckte Wort! Klatsch ist seit jeher eine menschliche Konstante, doch hier fasziniert mich besonders das Motiv dahinter. Es ist die Rache eines vermeintlichen Mauerblümchens: Penelope Featherington nutzt ihre Unsichtbarkeit, um zur mächtigsten Stimme von London zu werden, die selbst Queen Charlotte in den Wahnsinn treibt. Wie balanciert eine Frau in einer Welt, die ihr keine Stimme zugesteht, ihre Macht? Ich wollte unbedingt, dass diese kluge, kreative und wunderschöne Frau am Ende gewinnt!
„Happily Ever After“ mit Tiefgang
Was Bridgerton so greifbar macht, ist der Fokus auf universelle Emotionen. Hinter der Fassade eines Period Dramas verbirgt sich eine Geschichte über Female Empowerment und die Aufbrechung alter Rollenbilder. Ob es Eloise ist, der die feine Gesellschaft zuwider ist, oder Kate Sharma, die sich nicht belehren lässt – sie alle weigern sich, nur passive Statistinnen zu sein.
Selbst die Männer, wie Anthony Bridgerton, müssen erst lernen, ihre Emotionen nicht mehr zu unterdrücken. Dass hier offen über Gefühle gesprochen wird, ist kein bloßer revolutionärer Akt, sondern meist der Schlüssel zur Lösung jedes Konflikts. Genau das macht die Charaktere für mich so realistisch.
Des Weiteren bricht die Serie mit dem Casting eine weitere Grenze auf, die eigentlich keine mehr sein dürfte: Es ist wunderschön zu sehen, dass POC-Charaktere nicht nur als Randfiguren existieren, sondern Hauptfiguren mit tiefen Gefühlen und Persönlichkeiten sind, schlichtweg schön, glücklich und romantisch sein dürfen. Noch immer sind westliche Produktionen zu wenig divers besetzt. Ich bin mir bewusst, dass die mangelnde historische Akkuratesse auch Kritikpunkte der Serie sind. Geschichten, die sich mit der Unterdrückung von People of Color auseinandersetzen, bleiben essentiell wichtig. Jedoch darf eine romantische Serie auch einfach eine romantische Serie sein.
Regency goes Popkultur
Was Bridgerton am Ende für mich perfekt abrundet, ist der Mut zum übertriebenen Anachronismus. Der abgebildete Regency-Look ist eine bewusste Reizüberflutung: knallige Farben, fast schon neonfarbene Stoffe und opulente Accessoires, die die Persönlichkeit der Charaktere perfekt in Szene setzen. Wenn das Vitamin String Quartet dann die größten Pop-Hits unserer Zeit im klassischen Gewand schmettert, bricht die Barriere zwischen den Jahrhunderten komplett ein. Bridgerton versucht nicht, historisch zu sein. Bridgerton transportiert eine Wunschvorstellung unserer modernen Gesellschaft in eine langsamere Zeit, in der die Sehnsüchte keinesfalls anders sein würden.
Während ich aktuell noch im Rewatch der letzten Folgen stecke, richte ich meinen Blick bereits auf die kommende Saison. Dieses Mal steht der meiner Meinung nach sympathischste Freigeist der Familie Bridgerton im Rampenlicht: Benedict. Da ich Julia Quinns Romane (noch) nicht gelesen habe, lasse ich mich ganz bewusst von der Magie der Bilder überraschen. Ich weiß nur so viel: Es wird eine Cinderella-Story! Und die können wir heutzutage vermutlich alle gut gebrauchen!
Yours Truly und XOXO!