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Tim | 08.05.2026

Schwarz-weißes Foto mit nebeneinanderstehenden Porträts von J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis.

100 Jahre Lewis & Tolkien: Ein Tag, der die Fantasy für immer veränderte

Ein Dienstag im Mai 1926, Oxford. In den altehrwürdigen Hallen des Merton College treffen zwei Männer aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine bekennender Atheist, der andere gläubiger Katholik. Doch ihre gemeinsame Begeisterung für Sprache und Fantasy brachte sie zusammen – und veränderte das Fantasy-Genre für immer. Was können wir froh sein, dass J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis sich vor 100 Jahren bei einer Tasse Tee trafen!

Keine Liebe auf den ersten Blick

Man stellt sich dieses Treffen gerne magisch vor, mindestens mal begleitet von Fanfaren und innigen Umarmungen. Doch die Realität sah anders aus. Tatsächlich notierte Lewis in seinem Tagebuch, dass Tolkien ein blasser Kerl sei, der vielleicht einen kleinen Klaps nötig hätte. Die schwierigen Umstände fasst Diana Pavlac Glyer perfekt in ihrem Buch Bandersnatch: C. S. Lewis, J. R. R. Tolkien, and the Creative Collaboration of the Inklings zusammen:

"Als Lewis und Tolkien näher kennenlernten, stellte sich heraus, dass sie in vielen Punkten ernsthaft unterschiedlicher Meinung waren. Sie hatten unterschiedliche Interessen und Persönlichkeiten. Sie stammten aus unterschiedlichen religiösen Traditionen. Und sie hatten unterschiedliche akademische Fachgebiete […] Lewis sagte, die Begegnung mit Tolkien habe zwei Vorurteile aus seiner Kindheit wieder hervorgekramt: Dass man niemals einem Katholiken oder einem Philologen vertrauen könne. Tolkien war beides."

Doch die Kollegen erkannten schnell, dass sie die Begeisterung für Sprachen, Gedichte, Mythen und Geschichten teilten und gleichzeitig wenig Interesse an zeitgenössischer Kultur oder Politik hatten. Außerdem wollten beide Romanautor werden.

Die Inklings: Wo Geschichten geschmiedet wurden

Man sollte an dieser Stelle erwähnen, dass die beiden nicht unzertrennliche Freunde wurden, einfach weil sie sich gern Geschichten aus dachten. Sie einte viel mehr. Beide hatten früh ihre Mütter verloren. Beide hatten den Ersten Weltkrieg aus nächster Nähe erlebt. Da ist es gar nicht so überraschend, dass sie sich so sehr zu Fantasiewelten hingezogen fühlten.

Diese Leidenschaft lebten sie bei den Inklings aus, einem legendären Schreibzirkel, dem neben Lewis und Tolkien auch Schriftsteller wie Charles Williams oder Owen Barfield angehörten. Die Mitglieder trafen sich regelmäßig im Pub The Eagle and Child, wo sie herumphilosophierten, debattierten und sich vor allem ihre noch unveröffentlichten Werke vorlasen, um Feedback einzusammeln.

Für uns als Fantasyfans ist beides wichtig: die Treffen der Inklings, aber auch die innige Freundschaft zwischen Lewis und Tolkien. Denn die beiden haben sich gegenseitig mehr beeinflusst, als man nach dem ersten Treffen im Mai 1926 hätte ahnen können.

Ohne Lewis kein Mittelerde, ohne Tolkien kein Narnia

Der überzeugte Katholik Tolkien half dabei, den bekennenden Atheisten Lewis zurück zum Glauben zu führen. Er überzeugte ihn, dass Mythen keine Lügen seien. Tolkien verglich die Christusgeschichte mit den nordischen Sagen, die er und Lewis so liebten. Mit dem Unterschied, dass der christliche Mythos – so Tolkien – wahr sei. Ob du dem zustimmst oder nicht, die Logik überzeugte Lewis, der später viel christliche Symbolik in seine Narnia-Bücher einbaute.

Andersherum hätte der Perfektionist Tolkien sein Epos Der Herr der Ringe ohne Lewis vielleicht nie beendet. Sein Kinderbuch Der Hobbit war längst erschienen und nicht nur der Verlag George Allen & Unwin wünschte sich einen Nachfolger. Doch die Inklings waren nicht überzeugt von Tolkiens Nachfolgewerk, insbesondere Hugo Dyson beschwerte sich lautstark bei Lesungen. Nur Lewis entpuppte sich als großer Fan und feuerte seinen Freund an: "Es ist ein Buch, das dir das Herz brechen wird."

Tolkien schrieb dazu später: "Die unbezahlbare Schuld, die ich ihm gegenüber habe, war nicht sein Einfluss, wie man das gewöhnlich versteht, sondern seine anhaltende Ermutigung. Er war lange Zeit mein einziges Publikum. Nur durch ihn kam ich auf den Gedanken, dass mein Kram mehr sein könnte als ein privates Hobby."

Die Gemeinschaft zerbricht

So sehr wir die beste Bromance der Literaturgeschichte auch feiern: Selbst diese Freundschaft hatte ihre Probleme, besonders in späteren Jahren. Zwar hatte Tolkien seinen Freund zum Glauben zurückgeführt, doch Lewis schloss sich, aus Tolkiens Sicht, der falschen Kirche an. Der anglikanischen, falls du es genauer wissen willst. Auch die Tatsache, dass Lewis eine zuvor geschiedene Amerikanerin heiratete, war Tolkien ein Dorn im Auge.

Mit der Zeit sahen sich Lewis und Tolkien immer weniger, Tolkien beschrieb Lewis mal als seinen "engsten Freund von 1927 bis 1940". Trotzdem löste sich ihre Verbindung nicht einfach in Luft auf. Noch bevor sie aufhörten, sich regelmäßig zu treffen, schrieb Lewis 1949, dass er seinen Freund sehr vermisse. Und den Tod von Lewis verglich Tolkien später mit der Wucht eines Axthiebs.

Dinge, die bleiben

Auch wenn Tolkien und Lewis nicht BFFs, sondern nur BFs auf Zeit waren, haben sie gemeinsam das moderne Fantasygenre gegründet und auf ewig geprägt. Stell dir mal vor, sie hätten sich nicht am 11. Mai 1926 getroffen. Wir hätten keine Hobbits und keinen Aslan. Kein Mittelerde und kein Narnia. Und damit auch keine Vorlage für Game of Thrones oder Dungeons & Dragons. Verdammt, wir hätten auch kein Elbenwald! Kurzum: Unsere Popkultur wäre um ein riesiges, fantastisches Stück ärmer.

Und jetzt noch ein paar Fun Facts!

  • Der Professor aus Der König von Narnia, dem ersten veröffentlichten Buch der Reihe, wird oft mit Tolkien verglichen
  • Die Figur Baumbart hingegen ist inspiriert von Lewis!
  • 1961 nominierte Lewis seinen Freund Tolkien für den Literaturnobelpreis, leider ohne Erfolg
  • So sehr Lewis Mittelerde auch liebte, Tolkien hasste Narnia dafür, dass zu viele Mythen durcheinander geworfen wurden