Interview: „Beim Cosplay bist du nicht du selbst“

Cosplay

Dass Cosplayer ziemlich cool aussehen, weiß eigentlich jeder; klar, sieht man ja auch auf den ersten Blick. Wie viel Arbeit in so einem detailverliebten Kostüm eigentlich steckt und mit welchem Kodex man an die Fertigung herangeht, wissen aber nur die wenigsten. Daher als Einleitung nur so viel: Das ausgeschriebene Credo eines anspruchsvollen Cosplayers lautet, möglichst nah am Original zu sein, egal ob es um einen Charakter aus einem Film, Videospiel oder Manga geht. Diese Nähe zum Kostüm betrifft nicht nur den Look sondern auch das eigene Verhalten. Wir haben uns mit der Cosplayerin Lucy – auf Cons besser bekannt als Kopfgeldjägerin Gratua Cuun – getroffen und über das Thema gesprochen.


Lucy, wie bist du zum Cosplay gekommen?

Angefangen habe ich schon in der Schule, als ich mich wie ein Charakter aus einem Spiel angezogen und natürlich auch geschminkt habe. Lass mich mal überlegen, das müsste Tifa Lockhart aus Final Fantasy VII gewesen sein. Das war prinzipiell mein erstes Cosplay, wobei das aus heutiger Sicht fast ein bisschen peinlich umgesetzt war.

Später haben sich viele Cosplay-Möglichkeiten angeboten, allerdings waren die meisten Kostüme, die mich interessierten, einfach nicht realisierbar. Aber ich hatte schon immer den Wunsch, eine mandalorianische Rüstung zu tragen [Anmerkung: quasi die Rüstung eines Kopfgeldjägers aus Star Wars]. Dafür habe ich richtig viel recherchiert und gefühlt tausend Bücher gelesen. Ich war regelrecht besessen davon! Und diese Faszination wollte ich unbedingt mit Leuten teilen, die das Thema genauso begeistert – am besten in entsprechender Montur. Also hab ich irgendwann einfach beschlossen, mit dem Bau einer Rüstung anzufangen. Vor ein paar Jahren ist der Traum dann endlich in Erfüllung gegangen.

Welchen Charakter stellst du dar?

Gratua Cuun

Jeder kennt ja heute Boba Fett aus Star Wars. Er ist aber längst nicht der einzige Kopfgeldjäger in der Galaxis! Ich stelle eine mandalorianische Kopfgeldjägerin mit dem Namen Gratua Cuun dar. Die Rüstung hab ich zwar selbst gestaltet, sie hält sich aber an die Canon-Vorlage. Das ist auch ganz wichtig, denn beim Cosplay geht’s genau darum: Dass man möglichst nah am Original bleibt. Wenn man erst mal im Kostüm steckt, ist man nicht mehr man selbst sondern der jeweilige Charakter! Da hat man plötzlich die Erlaubnis, sich genau wie die Figur zu verhalten, auch wenn sie nicht so nett ist. Nur sollte man drauf achten, dass man nichts Illegales macht. (lacht)

Welche Materialien benutzt du bei deinen Kostümen?

Eine Sache, die mich schon immer gestört hat, ist, wenn die Kostüme nicht richtig klingen. Sie sehen zwar gut aus, hören sich aber falsch an. Wenn beispielsweise Boba Fett durch die Gegend läuft und nur nach Plastik klingt, dann ist das extrem enttäuschend. Da verschwindet die Illusion ganz schnell…

Deswegen wollte ich meine Rüstung unbedingt aus Metall bauen. Ich hab mich vorher mit vielen Leuten in der Community ausgetauscht und mich am Ende für Platten aus Aluminium entschieden. Aluminium hat den Vorteil, dass es leicht und einigermaßen stabil ist, sich aber trotzdem gut verarbeiten lässt. Die Kleidung unter der Rüstung habe ich aus Kunstleder, Leder und ganz normalem Stoff geschneidert. Und alles, was ich nicht selbst machen konnte, habe ich einfach gekauft und nachträglich modifiziert. Die Waffen zum Beispiel oder auch die Schuhe.

Wie lange braucht man für so ein typisches Kostüm?

Das ist ganz unterschiedlich und kommt immer auf den Einzelfall an. Eine Rüstung ist zum Beispiel wesentlich aufwendiger als eine einfache Robe. Und natürlich kommt’s auch auf den eigenen Anspruch an, wie perfekt man sein Kostüm haben möchte. Meine aktuelle Rüstung hat viel weniger Zeit in Anspruch genommen, als man zunächst denkt. Inklusive der Vorbereitungszeit waren das nur ein paar Monate, in denen ich am Wochenende daran gearbeitet habe. Andere stecken Jahre in ihre Montur und finden immer noch etwas, das sie verbessern können!

Beschreib doch mal, wie du an dein Kostüm herangegangen bist.

Im ersten Schritt habe ich mir Unmengen an Bildern von Boba und Jango Fett angesehen und analysiert. Danach habe ich ein paar Skizzen angefertigt und mit Freunden aus der Community im Detail besprochen; hier habe ich auch viel Hilfestellung bekommen. Im nächsten Arbeitsschritt ging’s dann ans Eingemachte: Da fängt man an, die einzelnen Platten aus einer großen Aluminiumplatte auszusägen, alles vernünftig zu formen, zu lackieren und schließlich zu befestigen. Wobei, das klingt komplexer als es eigentlich ist. Wenn man erst mal angefangen hat, passiert das alles irgendwie von alleine.

Cosplay

Cosplay in der Gruppe macht das Designen der eigenen Rüstung einfacher.

Sorry, das müssen wir jetzt einfach fragen: Gibt’s auch Elbenwald-Produkte, die du für eine Con empfehlen kannst oder geht das gegen die Berufsehre?

Doch das geht! Ohne den Elbenwald wüsste ich gar nicht, dass man nicht zwangsläufig alles selbst machen muss. Für ein Jedi- oder Sith-Cosplay sind zum Beispiel die Force FX Lichtschwerter unverzichtbar. Das sind einfach die besten, die es auf dem Markt gibt. Oder bei einem Herr der Ringe-Cosplay, da darf der ganze Elbenschmuck nicht fehlen. Ein Aragorn ohne Abendstern wäre einfach nicht vollständig. Und auch beim Mittelalter kann man sich viel mühsame Näharbeit sparen, wenn man als Basis ein fertiges Hemd nimmt. Anpassen kann man ja immer noch.

Was ist das Besondere an Conventions und wo trifft man dich am ehesten an?

Auf der RPC (Role Play Convention) und der Gamescom in Köln bin ich eigentlich immer. Spannender ist aber fast die RPC, weil da mehr Kostümierte als Normalgekleidete rumlaufen. Da sieht man echt alles, vom Ritter in Plattenrüstung über Scavenger aus einem Endzeit-Szenario bis hin zu Cosplayern aus dem Bereich Star Wars. Auf Buchmessen soll es übrigens ähnlich abgehen, nur dass hier die Themen Anime und Manga stärker vertreten sind.

Und zum „warum“: Auf einer Convention hat man einfach Spaß! Das ist wie Fasching für Hardcore-Fans. Man stellt seinen Wunsch-Charakter dar und trifft die ganzen Gleichgesinnten mit ihren super Kostümen. Da kann man sich viel Inspiration holen – und natürlich gut einkaufen. Das Wichtigste sind aber die Leute: Man lernt die interessantesten Menschen kennen und mit ein bisschen Glück auch deren Tricks. Man will sehen und gesehen werden.

Machst du das eigentlich hauptsächlich alleine oder in einer Gruppe?

Gratua Cuun

Oh mein Gott! Alleine hätte ich das doch nie geschafft! Okay vielleicht schon, aber es hätte viel länger gedauert und wäre nicht so gut geworden. Als ich noch nichts hatte außer einer einfachen Skizze, habe ich mich einfach bei der Community der Mandalorianischen Beskarschmiede angemeldet. Das sind unheimlich coole und nette Leute, die alle auf Mandalorianer stehen. Ich dachte echt, ich wäre gestorben und im Star Wars-Himmel wieder aufgewacht! Aber im Ernst, ohne sie hätte ich meine Rüstung nie so hinbekommen.

Zum Schluss verrätst du uns bestimmt noch einen Tipp für alle, die das erste Mal auf eine Con gehen wollen.

Gegenfrage: Mit oder ohne Kostüm? Für alle, die ohne Kostüm hingehen: Habt einfach Spaß! Alle anderen: Zieht euch Schuhe an, in denen ihr lange laufen könnt! Ja, ich meine insbesondere das schöne Geschlecht. Testet eure Kostüme auf deren Alltagstauglichkeit, also um sicher zu stellen, dass sie nicht auseinander fallen oder unerträglich unbequem sind. Und geht vor Beginn aufs Klo…

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