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Tim | 29.04.2026

Wie fiktive Geschichten unser echtes Leben retten

Funko-Figuren sind nur ein bisschen Plastik, Filmrepliken vor allem Geldverschwendung und so was wie Videospiele schlecht investierte Zeit. Das würden nicht wenige Menschen da draußen genau so unterschreiben. Ich glaube sogar, dass ich mit solchen oder ähnlichen Sprüchen auch von meinen Eltern bombardiert wurde.

Trotzdem sehe ich das ganz anders. Und du, wenn du auf dieser Seite unterwegs bist, vermutlich auch. Denn sich so richtig tief und ehrlich für fiktive Sachen zu interessieren, egal ob als Kind oder Erwachsener, das ist was einmalig Schönes. Und Wichtiges! Das Fan-Sein hat mir nicht nur viel Freude bereitet, sondern mein Leben verändert.

Aus der Fiktion wird ein Beruf

Die vielen Welten, die ich bereist habe, ohne mein Zimmer zu verlassen – außer wenn’s ins Kino oder auf eine LAN-Party ging (das waren noch Zeiten!). Die ausgedachten Charaktere, die ich kennenlernen durfte und die sich so echt anfühlten, dass sie zu Freunden wurden. Das alles war kein sinnloser Zeitvertreib, sondern eine Inspiration. Diese Geschichten haben mich zum Schreiben gebracht, erst bei Lokalzeitungen, später im Spielejournalismus. Nur wegen der vielen Bücher, okay, und einiger Spiele, hab ich überhaupt das Handwerk des Schreibens gelernt.

Deutlich später kamen Filme dazu, die heute für mich die Videospiele als meistgenutztes und -geliebtes Bewegtbildmedium abgelöst haben. Vor allem aber war es die Begeisterung und das schier unendliche Fachwissen eines guten Freundes, das in mir die Faszination für Kameras, Filmtechnik und die ganze Kunst dahinter geweckt haben. Auch wenn ich noch viel vor mir habe, konnte ich mir über die Jahre einiges selbst beibringen. Im ersten Schritt nur, weil’s mir Spaß gemacht hat. Aber heute ist das ein fester Bestandteil meines Jobs hier.

Und nur durch das Fansein hab ich so viele coole Leute kennengelernt – ständig kommen neue dazu. In der Firma hier, klar. Aber auch in Kommentarspalten oder auf dem Elbenwald Festival. Manchmal sogar random auf der Straße, weil jemand ein cooles Shirt anhatte. Oder einmal über Kleinanzeigen, wo ein paar old-school Big Box-PC-Spiele ausreichten, dass eine Freundschaft entstand.

Ja, die Geschichten waren vielleicht fiktiv. Aber alles darum herum, das ist echt.

Wenn die Fluchtburg Risse bekommt

Das war jetzt alles schön und inspirierend, aber warum schreib ich das alles? Weil ich bei mir merke, dass es immer schwieriger wird, diese Begeisterung aufrechtzuerhalten. Die Welt hat eh schon riesige Probleme, das merken wir alle, gerade im Moment. Aber selbst in unserer kleinen, nerdigen Fluchtburg wird’s nicht leichter. Wo wir bei der Ankündigung des zehnten seelenlosen Reboots gähnen oder uns über Autoren wundern, die komische Sachen sagen.

Doch selbst andere Fans machen es einem manchmal schwer. Weil negative Kommentare so viel schneller geschrieben sind als solche, die vor ehrlicher Begeisterung strotzen. Man könnte sich ja Blöße geben, wenn man etwas mag, das andere schlechtreden. Und wo, um ein Beispiel zu nennen, das mich etwas mitgenommen hat, die bloße Erwähnung, dass man Freude an der Full Cast Edition eines gewissen Hörbuchs hat, ausreichte, um ziemlich übel beschimpft und sogar bedroht zu werden.

Warum wird aus Liebe manchmal so schnell Krieg?

Appell: Mut zur Freude!

Das war letztlich der Anlass für mich, diesen Text zu schreiben. Beziehungsweise eigentlich das eingebettete Video zu machen. Ich wollte einfach daran erinnern, dass das Fansein etwas Tolles ist. Etwas, das wir bewahren müssen. Weil’s wichtig ist! Und positiv! Weil es zu anderen Dingen wie Hobbys, Freundschaften und Karrieren führen kann. Das Fansein ist kein dummer Zeitvertreib, sondern eine Inspiration!

Natürlich darf man trotzdem diskutieren und kritisch sein. Muss man sogar! Aber man darf nicht die Fähigkeit verlieren, etwas zu lieben, egal was andere sagen. Und man darf nicht den Mut verlieren, das dann auch zu sagen oder online zu schreiben. Das wollte ich einfach loswerden, weil ich das Gefühl habe, dass wir – da schließe ich mich selbst ein – das manchmal vergessen.