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Kai Meyer im Interview mit den Zwergen

Die Elbenwald-Zwerge hatten die große Gelegenheit mit Fantasy-Autor Kai Meyer ein interessantes Interview zu seinem neuen Werk Arkadien brennt zu führen.

Kai Meyer

Kai Meyer

Facts zu Kai Meyer:

  • am 23. Juli 1969 in Lübeck geboren
  • lebt in einer Kleinstadt am Rand der Eifel
  • Schriftsteller, Journalist, Drehbuchautor
  • seit 1993 rund 50 Bücher veröffentlicht
  • 1994 Durchbruch mit Die Geisterseher

Die Fortsetzung von Arkadien erwachtArkadien brennt – wird im September 2010 erscheinen. Was würden Sie sagen, ist das Besondere daran?

Arkadien erwacht

Arkadien erwacht

Arkadien brennt ist zum einen natürlich die Fortsetzung von Arkadien erwacht, die Geschichte kreist aber in weiten Teilen um Ereignisse, die vor dem ersten Buch stattgefunden haben. Nicht etwa in Form von Rückblenden, sondern aufgrund der Tatsache, dass die Konsequenzen früherer Geschehnisse mit einem Mal brandaktuell für Rosa werden. Sie erfährt mehr über ihre eigene Vergangenheit, als ihr lieb ist. Zugleich muss sie mit ihrer neuen Position als Führerin ihres Clans klar kommen – was ihr weder liegt, noch große Freude macht. Zu Beginn des Buchs flüchtet sie daher erst einmal nach New York – und gerät an die amerikanischen Angehörigen der Arkadischen Dynastien. Die New Yorker Panthera meinen es dabei längst nicht so gut mir ihr wie Alessandro. Einer der Höhepunkte des Romans ist eine organisierte Menschenjagd im verschneiten Central Park. Und natürlich steht weiterhin die Liebesgeschichte im Mittelpunkt.


Wie kam Ihnen die Idee zu der Geschichte um Rosa und Alessandro?

Ich arbeite seit jeher gern mit mythologischen Elementen. So entstanden irgendwann die Arkadischen Dynastien – eigentlich ein mehr oder minder erfundener Mythos, der aber wie ein echter erscheinen soll. Als mir klar war, dass es um Gestaltwandler aus der Antike gehen würde, die auch in unserer Zeit als Familienclans im Verborgenen weiterexistieren, führte mich das recht schnell zur Mafia – eine der letzten dynastisch organisierten Machtstrukturen der Gegenwart. Zudem fand ich es interessant, dass die Cosa Nostra selbst im Geheimen operiert, zugleich aber den Deckmantel für etwas noch sehr viel Rätselhafteres und Gefährlicheres abgeben sollte.
Das war der Hintergrund, den ich mir vage zurechtgelegt hatte. Dann erschien Rosa auf der Bildfläche und krempelte alles um. Plötzlich kreiste die Geschichte vor allem um sie und ihre Beziehung zu Alessandro Carnevare. Das war für mich eines der ersten Male, dass ein Charakter derart zwingend den Plot umgeformt hat. Etwas Ähnliches ist mir nur zwei, drei Mal vorher passiert, vor allem in Die Alchimistin. Unter anderem deshalb hat Aura Institoris in Arkadien brennt einen kurzen Gastauftritt, auch die inhaltlichen Querverbindungen wurden im zweiten Band immer offensichtlicher.


Warum haben Sie Sizilien als Schauplatz gewählt?

Zum einen ist die Insel eine der drei Hochburgen der italienischen Mafia, zum anderen war sie in der Antike die größte griechische Kolonie. Da mein mythologischer Hintergrund Wurzeln in Griechenland hat und ich unbedingt Orte rund ums Mittelmeer bespielen wollte, lag es nahe, die Geschichte dort anzusiedeln.


Um sich ein Bild des Handlungsortes zu verschaffen, sind Sie nach Sizilien gereist. Was war dort Ihr prägendster Eindruck?

Ich hatte vorher ein bestimmtes Bild von Sizilien im Kopf, so wie man es aus diversen Filmen kennt, aber ich war überrascht, wie unterschiedlich die einzelnen Teile der Insel sind. Neben den bekannten sonnenverbrannten Hügeln – viel Gelb und Ocker – gibt es riesige Wälder, ein massives Gebirge, Weinberge, sehr viel Grün. Und was die Mafia und ihre Bauhaie von der alten Architektur übrig gelassen haben, hat einen wunderbar morbiden Charme.


Arkadien brennt - Kai Meyer

Arkadien brennt - Kai Meyer

Wie ist der aktuelle Stand der Arbeiten zu Arkadien brennt?

Das Buch geht gerade in den Druck. Ich sitze derzeit am Konzept des dritten Bandes und beginne voraussichtlich Ende Juli, Anfang August mit dem eigentlichen Schreiben.


Wer oder Was hat Ihnen bis jetzt besonders bei Ihrer Arbeit geholfen?

Die wichtigste Person für ein Buch – neben dem Autor – ist die Lektorin oder der Lektor. Anfänger unterschätzen oft, wie wichtig es ist, ein gutes und sorgfältiges Lektorat zu haben. Sinnvolle Anmerkungen zum Plot, zum Timing und zu den Charakteren sind fundamental, und wenn es jemanden gibt, mit dem man diese Dinge stundenlang ausdiskutieren kann, führt das am Ende zu einem besseren Buch. Das ist auch etwas anderes, als mit dem Partner oder Freunden darüber zu sprechen. Gute Lektoren sind objektiv und ungemein gründlich.


Nun ein paar Fragen zu Ihnen persönlich:

Als was für eine Art Mensch würden Sie sich selbst beschreiben?

Als Autor bin ich extrem lernbegierig. Ich möchte mich selbst mal nie sagen hören: „Ich kann das alles, mir macht keiner was vor.“ Ich lerne bei jedem Buch dazu. Klingt wie ein Klischee, ist aber absolut wahr. Und anders möchte ich es auch nicht haben.



Was würden Sie sagen, ist Ihre größte Macke?

Ich bin, was den Umgang anderer mit meiner Arbeit angeht, wahrscheinlich nicht mehr ganz so ruhig und geduldig wie früher. Heute kann ich mich eher mal über Kleinigkeiten ärgern, die ich früher einfach hätte von mir abprallen lassen. Wenn in einer – eigentlich vollkommen unbedeutenden – Amazon-Rezension oder in einem Blog jemand faktisch falsch argumentiert, aber es keine sinnvolle Möglichkeit zum Einspruch gibt, dann regt mich das auf. Nicht nach außen hin, meistens, aber innerlich schon.


Was tun Sie am liebsten, wenn Sie nicht schreiben?

Simple Dinge. Mit meinem Hund durch die Felder laufen. Bücher lesen. Filme anschauen. In Zeitschriften blättern; ich habe Berge von Filmmagazinen aus den USA und England im Abo.


Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ganz ehrlich? Darüber habe ich mir vor zehn Jahren keine Gedanken gemacht und tue es auch heute nicht. Im Jahr 2000 hätte ich nicht ansatzweise voraussagen können, in welcher Position ich mich heute befinde, und ich versuche gar nicht erst, das auf 2020 zu projizieren.


Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? War es schon ein Kindheitstraum oder eher Zufall, dass Sie heute Autor sind?

Ich wollte Geschichten erzählen, egal mit welchen Mitteln. Schreiben konnte ich besser als Zeichnen. Filmemachen klang mit achtzehn, neunzehn mal nach einer sinnvollen Alternative, aber heute bin ich froh, dass es anders gekommen ist. Ich habe diverse Dreharbeiten und das ganze Drumherum bei den Verfilmungen meiner Sachen mitbekommen, das muss ich nicht mehr auf Dauer haben.


Sie haben bereits viele Ehrungen und Preise für Ihre Arbeiten erhalten und über 50 Bücher veröffentlicht. Hätten Sie jemals gedacht, dass Sie einmal so erfolgreich werden?

Man kann sich das wünschen, aber das hat nichts mit Erwartungen zu tun. Ich habe ziemlich beständig darauf hingearbeitet, vor allem im Rückblick betrachtet, aber dabei gab es nie einen ausgefeilten Plan oder das eine große Ziel.


Haben Sie vielleicht einen guten Ratschlag für alle, die mit dem Schreiben beginnen möchten?

Schreiben ist in erster Linie kein Beruf, kein Status, kein Ziel und keine Erfolgsformel – Schreiben ist eine ganz konkrete Tätigkeit. Also erzähle mir keiner: „Irgendwann schreibe ich auch mal ein Buch.“ Ich sage ja auch nicht zu einem Chirurgen: „Irgendwann arbeite ich auch mal am offenen Gehirn.“ Wer schreiben will, muss es vor allen Dingen tun. Jetzt. Dann zeigt sich recht schnell, ob man tatsächlich das Talent dazu hat oder nicht. Schreiben bedeutet zu einem nicht ganz geringen Teil auch Selbstdisziplin. Manchmal muss man sich zwingen, sich hinzusetzen und loszulegen. Oder weiterzumachen. Wer das nicht kann, braucht auch nicht davon zu träumen, mal ein Buch zu veröffentlichen.


Vielen Dank, dass Sie sich einen Moment Zeit für unsere Fragen genommen haben.
Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute und fiebern dem Erscheinungstermin von Arkadien brennt entgegen.


Weitere bekannte Werke von Kai Meyer als Buch oder Hörbuch findet Ihr hier.


Der Zwergen Geheimtipp: Vom 15. bis 18. Juli 2010 könnt Ihr Kai Meyer live auf dem 5. Elbenwald-Spektakel treffen! Dort wird er an unserer Lagerfeuerlesung teilnehmen und aus einem aktuellen Werk lesen. Wir freuen uns sehr, ihn begrüßen zu dürfen.

Quelle

Kontakt zu Kai Meyer könnt Ihr hier aufnehmen.

>>>>Hier geht´s zur offiziellen Webseite von Kai Meyer<<<<

 

2 Kommentare

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